Interview mit Uwe Bender

Trotz zahlreicher Erfolge: Rudern bleibt eine Sportart im Schatten

Der Trainer des Deutschland-Achters Uwe Bender spricht über hartes Training, starke Konkurrenz und die Herausforderung des SH Netz Cups.

Uwe Bender

Worauf kommt es beim Rudern eigentlich an? Welche körperlichen Voraussetzungen sollten die Athleten mitbringen? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir mit dem Trainer der Deutschland-Achter, Uwe Bender, gesprochen. Denn er muss es wissen. Seit 2017 trainiert er das deutsche Team, das im vergangenen Jahr alles abräumte was es in der Ruder-Szene zu gewinnen gibt. Das deutsche Parade-Boot belegte sowohl bei der Europameisterschaft als auch bei der Weltmeisterschaft den ersten Platz. Zudem holten sie bis 13 Mal den Sieg beim SH Netz Cup.

Rudern lernen kann im Prinzip jeder, der Lust hat und seinem Rücken etwas Gutes tun will. Dennoch ist Größe von Vorteil. Denn je höher die Körperlänge, desto größer sei die Schlagweite, ohne sich strecken zu müssen, sagt Bender. Die Männer im Deutschland-Achter sind alle größer als 1,90 Meter und wiegen im Schnitt zwischen 90 und 100 Kilo. „Die Körper sind sehr austrainiert und athletisch.“

Hartes und intensives Training
Zwei Mal am Tag treten die Sportler zum Training an, welches eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining ist – und das sieben Tage die Woche. Lediglich Sonntag und Montag gibt es jeweils nur eine Trainingseinheit. „Wir beginnen morgens um 7 Uhr mit dem Training und treffen uns am späten Nachmittag zur zweiten Runde“, sagt Bender. Gerudert wird auf dem Dortmund-Ems-Kanal. Direkt neben dem Ruderleistungszentrum in Dortmund.

Auf 25 Stunden Training pro Woche kommen die Athleten locker. Neben Rudern und Krafttraining stehen zudem Ergänzungseinheiten wie Laufen, Fußballspielen oder Radfahren auf dem Programm. „Rudern ist ein sehr trainingsaufwendiger Sport. Man muss sehr hart an sich arbeiten, um erfolgreich zu sein.“

Rudern als Randsportart
Die meisten Athleten des Deutschland-Achters sind Studenten, die das zeitlich aufwendige Training besser in ihren Alltag integrieren können als Vollberufstätige. Denn trotz der zahlreichen Erfolge wird dem Rudern längst nicht so viel Aufmerksamkeit zu Teil wie den Disziplinen Fußball oder Handball. Das Rudern hat sich bisher nicht aus der Nische der Randsportarten befreien können. Es lasse sich daher damit kein Geld verdienen, so Bender. „Wir haben das Glück, dass der Achter einen Sponsor hat.“

Trotz der geringen Anerkennung und den kargen finanziellen Mitteln, sind die Plätze im deutschen Paradeboot begehrt und hart umkämpft. „24 Athleten haben sich im Winter beworben. Zwischen März und April fanden Leistungstests statt, die für die Auswahl der Sportler entscheidend sind.“

Zunächst heißt es auf dem Ruderergometer Gas geben. Anschließend fahren die Teilnehmer in Kleinbooten mit jeweils zwei Ruderern auf der Langstrecke über sechs Kilometer gegeneinander. „So können wir die Ausdauer der Bewerber testen. Denn eine normale Wettkampfstrecke ist nur zwei Kilometer lang.“ Die ersten Boote haben gute Chancen dann im Top-Boot dabei zu sein, so Bender weiter. Wer es nicht schafft, hat noch die Möglichkeit im Vierer sowie im Zweier jeweils ohne Steuermann für Deutschland an den Start zu gehen.

Heiße Trainingsphase vor der WM
Die Weltmeisterschaft findet in diesem Jahr vom 9. bis 16. September am Ruderkanal Plowdiw in Bulgarien statt. Vor einem Zielwettkampf, dieses Jahr ist es die WM, geht es für die Sportler in ein Trainingslager. Dort wird der Trainingsumfang für zwei bis drei Wochen noch mal deutlich erhöht“, sagt Bender. Zwei Wochen vor der WM ist dann relaxen angesagt. „Die Sportler sollen sich erholen, um ausgeruht an den Start zu gehen.“

An den Start beim SH Netz Cup geht es in der Regel rund eine Woche nach der WM. „Wir bereiten uns auf das Rennen nicht gesondert vor, da wir zu der Zeit auf Topniveau sind.“ Zwei bis drei Mal trifft sich die Mannschaft vorab zum Training. „Für den Fall des es Umbesetzungen gibt, kann das Team noch mal zusammen trainieren.“

Trotz Wettkampfform verlangen die 12,7 Kilometer den Sportlern alles ab. „Es ist eine sehr lange Stecke und dennoch ist die Intensität genauso hoch wie bei einem 2000-Meter-Rennen. Die Athleten haben großen Respekt davor.“

Ziele für die Saison
Für den Deutschland-Achter gibt wenn es – blickt man auf die Trophäen des vergangenen Jahres – keine Steigerung mehr. Bisher ist der Deutschland-Achter auch in dieser Saison der Konkurrenz eine Ruderlänge voraus. Beim Weltcup in Belgrad holten die Ruderer zum Saisonauftakt genauso Gold wie beim Weltcup in Linz-Ottensheim. „Unser erklärtes Ziel ist es, den WM-Titel zu verteidigen. Doch wir haben jetzt schon gemerkt, dass es uns die anderen Teams noch deutlich schwerer machen, als in den vorigen Jahren. Er herrscht ein großer Konkurrenzkampf.“

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